- Im dritten Jahrtausend der einzigen Zeitrechnung, die sich wirklich durchgesetzt hat, beginnt man sich nun die Frage zu stellen: Wo sind sie eigentlich hin, unsere Hacker?
- Eine für Windowsbenutzer unbeherrschbare Flut von Viren und Würmern ist zum alltäglichen Rauschen verkommen. Der Webshop, den ein Kiddie zum zehnten Mal defaced hat, interessiert einen auch nicht weiter, der Verkäufer ist sowieso zu doof die Softwareupdates einzuspielen. Die Zeiten, in denen die Welt gebannt der Stimme des CCC-Sprechers lauschte, der die von der Nasa erbeuteten Daten öffentlich auf einer Pressekonferenz vortrug, sind vorbei. Erwähnt man heute noch den CCC, bekommt man zu hören, "Ach, den gibt es noch? Ich dachte, die seien Ende der 80er Jahre zugrunde gegangen!"
- Wenn man mit der Lupe sucht, findet sich hier eine Gruppe Menschen, die sich mit den Schwachstellen der beliebten Software SAP R/3 auseinandersetzt, und da gibt es ein paar wenige Leute die wirklich gute Software schreiben. Viele von ihnen sind aus ebendieser Generation, die in den 80ern die ganz grossen Kisten der Welt aufgemacht hat, und sie alle ächzen, es brauche viel mehr Nachwuchs, die Alten kämen gar nicht mehr hinterher, all die Aufgaben zu erledigen, welche noch vor uns lägen.
- Tatsächlich hat sich die Netzgemeinschaft relativ stark verändert. Es gibt da eine ganze Menge Programmierertrupps, die brav jeden Tag eine andere Sprache lernen, um stets auf dem Laufenden zu sein und ja alle Anforderungen auf den Annoncen zu erfüllen, mit denen die Firmen um neue Mitarbeiter wirken. Die Firmen setzen auch brav immer wieder die neusten Buzzwörter in die Zeitung, und die Verlage verkaufen die dazu passenden Bücher.
- Viel Neuerung gibt es derweil jedoch nicht. Die Meisten begnügen sich damit, alte Konzepte, welche die Menschheit längst vergessen hatte, wieder aus dem Hosensack zu ziehen und der Gemeinschaft unter neuem Namen frisch einzutrichtern. Und die Gemeinde macht brav mit, jeder entwickelt seine eigene Programmiersprache, um sich mit den anderen nicht beschäftigen zu müssen.
- Intime Vertrautheit mit Rechner und System ist out. Wenn sich jemand regelmässig den Assemblercode seiner Programme ansieht, wurde er schon vor 10 Jahren verlacht -- wenn er heutzutage auch nur eine Sprache verwendet, die ihm dieses Nachlesen ermöglicht, gilt er gleich als Purist. Erwähnt man, man habe ein Programm in einer Sprache X geschrieben, wird man gleich vom geballten Zorn der Gemeinschaft in den Boden gestampft, man hätte doch eine andere, viel tollere Sprache verwenden sollen.
- Die Gemeinschaft verliert sich in Kleinigkeiten und lässt sich immer mehr vom Marketing verführen, das immer noch nicht gelernt hat, dass ein nachhaltiges Geschäft nur möglich ist, wenn man die Hacker ihren eigenen Weg gehen lässt. In derselben Zeit schreien sich die alten Hacker von vor 20 Jahren um Hilfe die Seele aus dem Leib. Neue Hacker braucht das Land.
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